Aelita

Pass auf, was du dir wünschst

    Wenn Aelita sich aus einem ihrer langen Röcke schälte, die ihn immer ein wenig an eine Zigeunerin erinnerten, kam darunter der makellose Körper eines jungen Mädchens zum Vorschein. Auch ihr schmales Gesicht mit den viel zu großen, rehbraunen, immer wie erstaunt blickenden Augen und den langen schwarzen Haaren furchte trotz ihrer vierzig Jahre nicht die geringste Falte. Es war, als würde die Zeit einen Bogen um sie machen.
   Doch was sie mit diesem fast androgynen Körper mit den kaum vorhandenen Brüsten und dem winzigen Becken tun konnte, war alles andere als kleinmädchenhaft. Mit ihr zu schlafen war wie Sex von einem anderen Stern. Nein, eigentlich war es kein Sex, es war fast schon so etwas wie eine spirituelle Erfahrung und jeden anderen Mann hätte sie süchtig nach dieser Frau und ihrer Liebe gemacht.
   Andreas schaute sie nur an und schon meldete sich trotz der bitteren Enttäuschung wieder das Begehren zwischen seinen Schenkeln. Unwirsch schob er es zur Seite und fragte sie wütend: „Warum nicht?“
   Sie sah ihn über den Küchentisch hinweg so ruhig an, als würde sie den tobenden Zorn in ihm nicht spüren und antwortete leise: „Weil ich dich liebe. Erst macht es dich süchtig, und dann bringt es dich um.“
Ein halbes Jahr lang hatte er wie nichts sonst auf diesen ersten Satz gewartet. Seine Seele hätte er dafür gegeben. Aber nicht mehr jetzt.
   „Ganz mieses Timing. ‚Liebe‘ ist deine Antwort auf alle Probleme, doch sie bringt mir kein Geld auf die Firmenkonten und macht uns nicht satt. Ich bringe es dorthin, wenn ich nur noch eine Woche durchhalte. Du bist Arzthelferin, du kannst mir das Medikament besorgen. Also tu es, verdammt noch mal! Für uns!“
   Er hatte viel zu laut gesprochen, zum ersten Mal, seit sie bei ihm eingezogen war und es machte ihn nur noch wütender.
   Sanft erwiderte sie: „Nein. Und fluche bitte nicht.“