Aelita

   Ein spitzer Schmerz explodierte zwischen seinen Zehen, raste seinen Körper hinauf und zerbarst zu einer Funkenkaskade hinter seinen Augenlidern. Jemand schimpfte leise: „Ich hätte nicht so lange warten sollen. Das ist keine Haut mehr, das ist eine Panzerplatte!“
   Dann noch eine Funkenkaskade, diesmal von seinem anderen Fuß und schließlich noch zwei von seinen Schienenbeinen. Zwei Hände massierten erst seinen Nacken und dann seine Stirn. Er hätte sie unter Milliarden anderer erkannt, wie auch die melodische Stimme an seinem Ohr: „Ich habe dir ein paar Nadeln gesetzt. In ein paar Minuten sollte es dir besser gehen.“
   Nadeln? War er eine Voodoo-Puppe? Er kämpfte gegen die Tonnengewichte auf seinen Augen, und als er sie endlich besiegt hatte, blickte er in Aelitas schmales, ein wenig sorgenvolles Gesicht.
   Er lag in seinem Wagen auf dem heruntergeklappten Beifahrersatz, es war fast dunkel draußen, hinter den Dünen rauschte das Meer, wie es das seit Millionen von Jahren getan hatte und irgendwie beruhigte ihn dieser blödsinnige Gedanke. So war es also, wenn man dachte, sterben zu müssen. „Woher …“
   Er brach ab, ohne die Frage auszusprechen. Seine Stimme wollte nicht so wie er.
   Sie schaute ihn mit einem dieser langen Blicke an, die er einmal gehasst hatte, und beantwortete seine unausgesprochene Frage: „Ich weiß immer, wo du bist. Und ich weiß immer, wann du mich brauchst.“
   Was auch immer ihre Antwort bedeuten sollte – er verstand sie nicht. Sein Körper hatte ihn im Stich gelassen. Noch schlimmer war, dass auch sein Kopf verrückt gespielt hatte. Er war offenbar so sehr am Ende seiner Kräfte gewesen, dass seine Erschöpfung und die heiße Sonne Halluzinationen hervorgerufen hatten und sein Kreislauf zusammengebrochen war.
   Er hasste sich dafür. Er hasste seinen Körper, er hasste seinen Kopf. Wie konnte er nur so schwach sein? Jetzt lag er hier in seinem Wagen wie ein hilfloses Baby, musste sich von der Frau versorgen lassen, die er liebte, obwohl er sich doch um sie zu kümmern hatte. Sie würde ihn nach Hause fahren und diesen Schwächling irgendwann verlassen. Oder noch schlimmer, sie würde versuchen, ihn zu beherrschen.
   Das war logisch. Doch trotzdem stimmte etwas nicht. Wieso war Aelita hier? Woher hatte sie gewusst, was passieren würde und vor allem, wann? Warum hatte sie mit so einem seltsamen Ton in der Küche seinen Tod vorausgesagt? Er musste unbedingt nachdenken, doch in seinem Kopf herrschte ein wüstes Durcheinander und er war sich nicht einmal sicher, ob er wirklich Antworten auf seine Fragen haben wollte.