Aelita

   Seine Worte waren schärfer herausgekommen, als er es gewollt hatte. Fast so, als hätte er sich gegen etwas wehren wollen. Schon wieder ein Zeichen von Schwäche. Er setzte brummend hinzu: „Du liest zu viel Bücher über diesen Kram.“
   „Eher zu wenig. Hätte ich schon mehr gewusst, würdest du jetzt nicht in diesem Zustand neben mir liegen.“
   Er seufzte leise. Verstehe einer die Frauen. Was auch immer sie mit ihm gemacht hatte, es begann zu wirken. In seinem Kopf begann sich das Durcheinander zu verziehen und er fühlte sich kräftiger als noch vor wenigen Minuten. Und schuldiger. Er hatte sie mies behandelt, trotzdem war sie rechtzeitig genug gekommen, um ihm wahrscheinlich das Leben gerettet zu haben.
   Er sagte: „Du hattest Recht. Das Medikament hätte mich umgebracht.“
   „Welches Medikament? Die Tabletten in deiner Dose habe ich schon vor drei Tagen gegen ein herzstärkendes homöopathisches Mittel ausgetauscht.“
   Sie hatte was?
   Wie ein Blitz traf ihn die Erkenntnis. Sie hatte ihn manipuliert! Das war die Erklärung, nach der er die ganze Zeit gesucht hatte. Wahrscheinlich war es irgendeine Droge gewesen. Sie kannte Akupunktur und vielleicht stand in ihren Büchern auch etwas über Hypnose – er wusste einfach nicht genug über diese Frau neben sich. Dann hatte sie in der Küche mit ihren Worten einen Befehl in sein Gehirn gepflanzt, war ihm nachgefahren und hatte nur warten müssen, bis er zusammenbrach. Jetzt war sie die große Retterin und hatte ihn unter Kontrolle. Nein!
   „Fahr sofort rechts ran!“, schrie er.
   Sie reagierte nicht.
   „Du sollst anhalten!“ Er tastete nach der Sitzverstellung, um die Rückenlehne hochzufahren.
Aelita drehte den Kopf. „Was die Medizin nicht heilt, heilt das Eisen; was das Eisen nicht heilt, heilt das Feuer“, sagte sie in dem gleichen Singsang, mit dem sie auch in der Küche gesprochen hatte. Sie nahm die rechte Hand vom Lenkrad, griff nach seinem verkrampften linken Arm und eine Lanze aus glühendem Eisen bohrte sich in sein Gehirn. Er schrie auf, sank zurück und blickte sie voller Entsetzen an.