Ausgeknockt

   Was sollte das denn jetzt? Mit einem Ruck hatte sie den Stöpsel aus meiner Testosteronbadewanne gezogen. Ich versteifte mich in ihrem Arm. „Wieso fragst du mich das?“
   „In deiner Mail wolltest du unbedingt, dass ich schwarze Nylons mit Naht anziehe.“
   „Und du hast gleich auch noch rote Lackpumps und einen Rock angezogen, der zumindest um den Po so eng wie eine zweite Haut sitzt, was übrigens eine gute Idee war. Aber wenn du im Bett so auftrittst, wie du mit mir redest, würde es mich nicht wundern, wenn in deiner Handtasche auch noch eine Peitsche und ein paar Handschellen stecken.“
   Sie lächelte, doch ihre Augen blieben kalt dabei. „Nein. Einen Dildo und Kondome, aber das wirst du ja bald sehen. Also, warum?“
   „Ich habe dir die SMS geschickt, weil ich es für eine gute Idee hielt für jemanden, von dem ich annahm, dass er mich sowieso nur verarschen wollte.“ Ich fand, es war eine gute Antwort.
   Sie nicht, das Lächeln um ihre Lippen verschwand wie weggewischt. . „Meiner Schwester, nicht mir! Warum wirst du rot und sprichst, als würdest du einen Vortrag halten?“
   Eben noch war die Welt rosarot gewesen und einen Moment später stellte sie mich mit dem Rücken an die Wand. Außerdem log sie schon wieder, denn ich war mir mittlerweile sicher, dass es ihr Foto gewesen war, das ich gesehen hatte und nicht das ihrer Schwester. Meine erste Mail war vielleicht an ihre Schwester gegangen – vielleicht – aber die SMS an Elas Handy.
   „Was soll das jetzt? Verlässt dich gerade der Mut vor der eigenen Courage? Dann sage es direkt und wir sparen Zeit. Ich habe morgen einen harten Tag vor mir. Oder habe ich etwas Verkehrtes getan oder gesagt?“
   „Du schaust immer wieder auf meine Beine, berührst meine Knie mit der Hand und ich frage mich, ob es meine Haut oder das schwarze Nylon darüber ist, was dich das machen lässt.“
   Ich starrte sie einen Moment verblüfft an, dann knurrte ich lauter, als gut war: „Mit was für Typen hast du denn rumgemacht, dass eine simple Berührung deiner Knie dich so aufregt? Wie krumm denkst du denn? Wenn es das wäre, dann könnte ich ja gleich einer Gummipuppe schwarze Strümpfe anziehen und die ficken. Dann muss ich nicht so einen Aufwand treiben!“
   Die Augen des Barkeepers mutierten zur Größe von Autoscheinwerfern und für einen Moment schien es, als wollte sie aufbrausen, aber dann legte sie den Kopf schräg, schaute mich von unten an, ließ ihre Zunge zwischen den Lippen spielen, lächelte und schnurrte: „Ich mag es, wenn du schmutzige Worte sagst.“
   Erst Höllenfeuer, dann die Kälte von Heliumschnee und jetzt schaufelte sie wieder Kohlen in den Ofen. So härtete man Stahl oder machte einen Mann zum Affen. Wahrscheinlich hatte sie ja eine Banane in der Tasche für mich mitgebracht. „Ich hatte mir unser Gespräch anders vorgestellt.“
   „Oh, ich weiß, wie du es dir vorgestellt hast.“