Ausgeknockt

   „Nein, deswegen tust du es nicht, sondern weil du selbst dir dann besser gefällst und den meisten Frauen auch. Und weil wir dir in einem aufreizenden Outfit viel lieber sind, versuchst du das auch noch als Lebensphilosophie zu verkaufen. Du kannst dich ja gerne anlügen, aber versuch das nicht bei mir.“
   Sie fuhr mir mit der Hand durchs Haar. „Du bist hundert Jahre zu spät geboren, mein Lieber. Ich sagte doch, du bist ein Dinosaurier. Naja, wenn du auch einen so langen Schwanz hast, soll mir das recht sein. Fetisch?“
   Ich schnappte nach Luft. Was hatte sie da gerade gesagt?
   Sie kicherte und kuschelte sich wieder an meine Schulter. „Hallo, was ist mit Fetisch?“
   „Äh, ja, also … Ich mag Nylon an Frauenbeinen, es macht sie noch schöner, als sie ohnehin schon sind. Aber ich kann auch ganz gut ohne und das ist der Punkt. Ein Fetischist braucht genau das Objekt, das ihn scharfmacht, also seinen Fetisch. Damit wird der Partner nur noch zur Nebensache. Ohne seinen Fetisch kann er nicht zur Erfüllung kommen und der Partner wird austauschbar. Ich komme ja jetzt fast schon, nur weil du in meinem Arm liegst.“
   Sie schlug wieder die Beine übereinander. „Oder, weil du ständig auf meine schwarzbestrumpften Beine schaust.“
   Ich wurde steif und holte Luft, aber sie lachte laut los. „Es war ein Scherz. Heb dir das mit dem Kommen noch ein bisschen auf, ich möchte auch etwas davon haben. Aber im Ernst, wie denkst du über solche Leute?“
   Ich zuckte die Schultern. „Das ist nicht meine Baustelle. Wer will schon gerne eine Ersatzbefriedigung für einen sexkranken Menschen sein?“
   Die Falte erschien wieder auf ihrer Stirn. „Siehst du das so? Als krank und schmutzig?“
   „Schmutzig habe ich nicht gesagt. Das ist weit von meinem Denken entfernt und ich weiß nichts darüber. Ich vermute, jemand, der einen Fetisch hat, sucht ihn sich nicht selbst. Das ist eine Fehlprogrammierung von der Natur und er muss jetzt sehen, wie er damit zurechtkommt. Außerdem ist es ausschließlich seine Sache, niemand hat das Recht, da moralisierend den Zeigefinger zu heben, auch wenn es genug Dummköpfe und Moralapostel gibt, die es tun. Es gibt Schlimmeres auf dieser Welt als Menschen, die einen Fetisch haben.“
   Es war nicht meine Welt und würde es auch nie werden.
   Sie strich mir mit dem rotlackierten Nagel eines Zeigefingers über meinen Handrücken auf ihrem Knie. „Könntest du mit so einem Menschen leben?“