Ausgeknockt

   Ich dachte einen Moment nach. Könnte ich? Mit jemandem leben, der sich an Dingen, an toten Objekten aufgeilt? Ich versuchte mir eine Frau vorzustellen, die nur mit mir schlief, wenn ich etwas Bestimmtes anzogen. Lack? Leder? Oder irgendetwas, was ich mir nicht einmal vorstellen konnte, Windeln vielleicht?
   So ein Quatsch. Wenn ich mit einer Frau zusammen war, hatte sie zu kommen, weil ich es war, der es ihr besorgte. Wenn nicht, würde sie spätestens nach der ersten Nacht in der Mülltonne meiner Erinnerung landen. Das Leben war hinreichend kompliziert und ich musste mir nicht eine Frau anlachen, mit der es im Bett nicht funktionierte. Also definitiv nein, doch so brutal musste ich es ihr nicht in ihr hübsches Gesicht sagen und lachte sie an: „Lass uns von dem Thema wegkommen. Ich habe jedenfalls keinen Fetisch außer dir.“
   Für einen Moment zog ein Schatten über ihr Gesicht und sie schaute mir in die Augen, als suchte sie etwas in mir. Wollte sie etwa weiter diskutieren? Machte sie das an?
   Doch das dauerte nur einen Augenblick, dann kehrte ihr Lächeln zurück. Wie eine aufzüngelnde Flamme erhob sie sich, strich ihren Rock glatt, griff nach meiner Hand und sagte: „Lass uns auf dein Zimmer gehen. Ich hoffe, es gibt etwas, das du besser kannst als reden.“
   Ich stand auf, sie ließ meine Hand wieder los und ich fand es in Ordnung so. Wir waren schließlich kein verliebtes Pärchen mit Flausen im Kopf, sondern auf dem Weg zur schönsten Nebensache der Welt. Und nur dazu.
   Schweigend gingen wir die wenigen Schritte bis zum Fahrstuhl. Links daneben war der Treppenaufgang. Ich sagte: „Es ist nur eine Etage.“
   Vielleicht konnte sie in meinen Kopf schauen, vielleicht spielte sie gerne und nicht nur mit Worten – sie wendete sich zur Treppe und nahm jede Stufe davon wie ein Mannequin auf dem Laufsteg. Jeder ihrer Schritte spannte den Seidenrock über ihrem Po, straffte die Muskeln in ihren Waden über den schlanken Fußgelenken und die Nähte ihrer Strümpfe darüber befeuerten eine Landepiste, die auch ein Jumbojet nicht würde verfehlen können.
   Vierzehn Stufen und zwanzig Schritte später schnappte ich nach Luft. Jeder, der schon einmal hinter einer schönen Frau im Rock oder in engen Jeans und mit High Heels eine Treppe hinaufgestiegen ist, kennt das und nur Eunuchen können dabei cool bleiben. Das elektronische Schloss in der Zimmertür akzeptierte die Karte in meiner zitternden Hand erst im zweiten Versuch, denn ich hatte nur noch eines im Kopf – wie ein Tier über Ela herzufallen, sie zu packen, auf das Bett zu werfen, ihr den Rock hoch zu zerren und das mit ihr zu tun, was auch sie wollte.