Ausgeknockt

   Da wurde sie plötzlich steif, ihre Hand kam wieder zwischen meinen Beinen hervor und stemmte sich gegen meine Brust, in ihrem Blick veränderte sich etwas und sie rief: „Halt!“
   Bevor ich etwas sagen konnte, legte sie mir einen duftenden Finger auf die Lippen und flüsterte: „Ich will es nicht so. Ich will es genießen, jede Sekunde mit dir ausleben.“
   Ohne mich anzusehen, nahm sie meine Hand, zog mich zum Bett und ich folgte ihr wie ein Roboter, dessen Programmierung jemand gelöscht hatte.
   Ich saß auf der Bettkante und wusste nicht, was ich tun sollte. Das durfte doch nicht wahr sein! Aus dem Nichts schüttete sie mir einen Kübel Eiswasser ins Gesicht. Welche der vielen Seiten, die sie mir bis jetzt gezeigt hatte, war die wirkliche Ela? Oder kannte ich die eigentliche Frau dahinter noch gar nicht?
   Königlich war sie durch das Spalier der Gäste geschritten, um sich mir danach kokett und forsch auf dem Barhocker zu präsentieren. Auf der Ledercouch hatte sie sich verspielt und kuschelig präsentiert, aber auch ernsthaft und nachdenklich. Da war aber noch etwas und das konnte ich nicht einordnen. „Verbohrt“ traf es nicht direkt, aber irgendwie war der Moment, in dem sie mich mit ihren Fragen in die Ecke getrieben hatte, immer noch präsent in meinem Hinterkopf. Danach dieses Spiel im Flur, voller Lust und Erregung – und dann die eiskalte Notbremse eben, die ich an dieser Stelle niemals erwartet hätte. Wer war diese Frau, die mit jedem Wort log und was wollte sie von mir?
   Sie war um das Bett herumgegangen, hatte das Licht im Flur gelöscht und knipste jetzt die Nachttischlampe an. Dann blieb sie vor mir stehen, schaute mir in die Augen, als wollte sie eine Frage stellen, nahm, als ich nichts sagte, mein Gesicht in beide Hände und küsste mich zart und lange auf den Mund.
   Dann richtete sie sich auf und begann, sich auszuziehen. Knopf für Knopf öffnete sie mit einem tiefen Ernst dabei in ihrem Gesicht. Mit einem leisen Rascheln glitt die Seidenbluse an ihren Armen nach unten, dann war der Rock an der Reihe und das Geräusch, mit dem sie den Reißverschluss hinter ihrem Rücken öffnete, klang unnatürlich laut in der Stille.
   Sie half mir nicht beim Ausziehen. Erst, als ich meinen Slip nach unten zog, legte sie den Kopf ein wenig schräg, befeuchtete mit der Zunge ihre Lippen und sagte: „Also doch kein Dinosaurier.“