Ausgeknockt

   Pech für sie, irgendwann ist es vorbei mit Spielen und jetzt war ich dran! Es dauerte nur Sekunden, dann brachte ich zu Ende, was sie angefangen hatte, brüllte erstickend und blind mit der letzten Luft die Explosion in die Welt, ließ mich auf sie fallen, und alles um mich herum versank im Dunkeln.
   Sie wühlte sich unter mir hervor, ich rollte mich auf den Rücken, blieb mit geschlossenen Augen liegen und schnappte nach Luft. Statt Entspannung machte sich Enttäuschung, ja sogar Zorn in mir breit. Doch ich wollte nicht unfair sein. Es kann immer einmal passieren, dass beide unterschiedliche Vorstellungen haben. Wenn sich die Hormone in ein paar Minuten wieder beruhigt hatten, würde ich mich an sie kuscheln, ein wenig mit ihr flüstern und dann würden wir es eben noch einmal machen. Diesmal so richtig mit Gefühl. Es würde ihr bestimmt gefallen.
   Sie keuchte leise neben mir. Ich öffnete meine Augen, doch sie hatte das Licht gelöscht und so tastete ich nach ihr. Ihr ganzer Körper zuckte, ich wollte sie an mich ziehen und sie beruhigen, doch sie fauchte: „Lass mich“, schüttelte meine Hand ab und keuchte weiter.
   Ich tastete nach der Nachttischlampe und sie stöhnte: „Nicht!“
   Was passierte hier gerade? Sie keuchte, als würde sie noch auf mir sitzen. Ich musste es wissen! Leise streckte ich wieder die Hand nach dem Lichtschalter aus, drehte meinen Kopf in Richtung des Stöhnens neben mir, drückte den Knopf, das Licht ging an und sie stieß einen spitzen Schrei aus.
   Sie lag auf dem Rücken und ihre langen, schwarzen Haare bildeten ein wirres Knäuel auf dem weißen Kopfkissen. Sie hatte die Beine angestellt, die Halter ihrer Strümpfe waren bis zum Zerreißen gespannt, die Absätze ihrer roten Schuhe gruben sich in das Laken, eine Hand hatte sie sich auf den Mund gepresst und mit der anderen tat sie etwas zwischen ihren weit gespreizten, vor Schweiß glänzenden Schenkeln.
   Es dauerte einen Moment, bis ich begriff, aber dann kochte rasende Wut in mir hoch. Sie hatte mich nicht nur mit Worten verarscht! Mit ihrem „Halt“ vorhin hatte sie sich die Kontrolle zurückgeholt und dann mit mir gespielt. War ich für sie nur ein Versuchsrammler gewesen? Sie hatte mir ihren Orgasmus verweigert, mich aussehen lassen wie einen Versager und verpasste mir nun die Höchststrafe – sie besorgte es sich vor meinen Augen selbst! Ich musste zweimal ansetzen, bevor ich etwas sagen konnte und dann brachte ich nur ein Wort hervor: „Raus!“
   Röte schoss ihr ins Gesicht, sie sprang auf, wankte einen Moment und hielt die Decke wie einen Schutz vor ihren Körper. Eine Sekunde schaute sie mich noch an und alles, was ich in ihren Augen las, war Hass. Sie griff nach dem Dildo, warf ihn in ihre Handtasche und schlüpfte in Rock und Bluse. Nur Sekunden später stand sie im Flur und starrte mich wortlos an. Es gibt eine Stille, die ist wie ein Schrei und ihr dunkler Rauch drang mit Elas Blick bis in die letzte Ecke meines Hotelzimmers. Mit immer noch halb erigiertem, feuchtem Glied und hämmerndem Herzen saß ich auf der Bettkante und starrte sie an.