Ausgeknockt

   Der Projektleiter setzte sich an die Längsseite des Tisches neben den Nerd, wies mir den Platz gegenüber, mit der Tür im Rücken zu, und damit war schon einmal klar, wie die Rollenverteilung in den nächsten Minuten sein würde – ich gegen die Bank, denn es ging ums Geld.
   Der Ausdruck in ihren Gesichtern war weder freundlich noch abweisend, lud aber auch nicht gerade zu einem Smalltalk ein und in solchen Situationen war es immer gut, selbst die Initiative zu ergreifen. „Ich war mit Dr. Weinhold verabredet. Wir wollten meinen Stundensatz klären,“ eröffnete ich.
   Hinter mir antwortete eine Frau: „Das werden wir auch tun. Ich hatte nur noch ein kurzes Gespräch mit der Geschäftsleitung betreffs meiner Entscheidung.“
   Die beiden Männer sprangen von ihren Stühlen auf, als hätte ein Admiral die Brücke seines Schiffs betreten, nur bei mir dauerte es einen Moment, bis die Erkenntnis einschlug. Mit zitternden Kniekehlen drückte ich mich aus dem Bürostuhl und drehte mich langsam um.
   „Hallo Herr Renner, ich bin Elaine Weinhold“, sagte Ela, streckte mir die Hand entgegen und wie in Trance griff ich danach. Meine Gedanken rasten, ohne etwas anderes hervorzubringen als ein fast gestottertes „Guten Tag.“
   „Nehmen Sie bitte Platz. Wir haben wenig Zeit und ich will gleich zur Sache kommen.“
   Wenn ihr Gesichtsausdruck bei diesen Worten ein Lächeln sein sollte, so war es das kälteste, das ich je in meinem Leben gesehen hatte. Ich ließ mich auf den Stuhl zurückfallen und versuchte, mich in den Griff zu bekommen, während sie in einem perfekt sitzenden, taubenblauen Kostüm durch den Raum schritt. Der knielange Rock schwang so um ihre Hüften wie gestern, als mich ihr Gang so verrückt gemacht hatte und selbst nach dieser verkorksten Nacht schrie mir ihr Po darunter noch immer zu „Fass mich an!“
   Ich Idiot hatte ihr in der Bar erzählt, in welcher Bank ich einen Kontrakt unterzeichnen würde. Ab da hatte sie es gewusst und wahrscheinlich war sie auf die Toilette gegangen, um nachzudenken. Doch warum hatte sie dann weiter gemacht und den Abend nicht nur einfach in der Bar ausklingen lassen? Wieder schoss die Wut in mir empor. Sie hatte mich schon viel früher manipuliert, als ich bisher gedacht hatte.
   Sie ließ sich von dem Projektleiter ihren Stuhl zurechtrücken, setzte sich mit einer anmutigen Bewegung, legte eine Aktenmappe aus schwarzem Nappaleder vor sich auf den Konferenztisch und schlug sie auf.