Ausgeknockt

   Ela fuhr fort: „Nach ihrer Schufa zu urteilen, scheint es um ihre persönlichen Finanzen ebenfalls nicht zum Besten zu stehen. Das würde unsere Bank, solange Sie sie nicht für einen Kredit in Anspruch nehmen wollen, zwar nichts angehen, doch es macht Sie angreifbar, Herr Renner. Wir legen hier exorbitanten Wert auf die Sicherheit unserer Kundendaten und mit Ihrer nicht vorhandenen Bonität würden Sie ein Sicherheitsrisiko darstellen. Sie wären erpressbar.“
   Sie klappte ihre Ledermappe zu und sagte: „Ich hätte dieses Risiko zu verantworten und dazu bin ich nicht mehr bereit. Nicht, nachdem ich so viel von Ihnen weiß. Selbstverständlich übernimmt die Bank Ihre Unkosten und auch eventuelle Verdienstausfälle, die Sie durch Ihre vergebliche Anreise hierher hatten.“
   Die beiden Männer neben ihr starrten mich an, als sei ich ein außerirdisches Monster und ich fand keine Erwiderung. Es würde sich herumsprechen, dass ich hier quasi gefeuert worden war und damit hatte sie mit wenigen Worten soeben meine ganze Existenz zerstört. Ich war erledigt!
   Ela erhob sich und sagte zu den beiden: „Sie können schon zum Essen gehen. Ich komme gleich nach.“
   Als seien sie Soldaten, die einen Befehl bekommen hatten, trabten sie ab, Ela ging um den Tisch herum, schloss die Tür hinter ihnen und blieb auf Armlänge vor mir stehen. Nah genug, dass ich ihr Parfüm riechen konnte. Frühlingswiese, fiel mir blödsinnigerweise wieder ein. So muss eine Wiese im Frühling duften.
   Sie setzte sich auf den Tisch, ließ ein Bein baumeln, als säße sie auf einem Stein irgendwo an einem sonnenbeschienen Strand und sagte ruhig: „Ja, ich bin nur fähig, einen Orgasmus zu bekommen, wenn ich mich mit Seide stimuliere. Oder, wenn es ein anderer tut, bei dem ich mich fallen lassen kann.“
   Ich schluckte, wollte etwas sagen und konnte es doch nicht.