Ausgeknockt

   Sie fuhr fort: „Als du mir gesagt hast, in welcher Bank du arbeiten wirst, musste ich eine Entscheidung treffen. Du bist ein attraktiver Mann und ich bin eine Frau, die zu lange keinen Sex mehr hatte. Ich hatte tatsächlich gehofft, dass unter deiner zynischen Schale ein weicher, fühlender Kern steckt. Jetzt ist mir klar, dass er nicht weich, sondern verfault ist. Dein Frauenbild stammt aus dem Mittelalter und deine Vorstellung davon, was ein Mann zu sein, zu tun und zu lassen hat, würde ich in der Steinzeit ansiedeln. Du bist so unsicher, dass du dich ständig beweisen musst und schuftest wie ein Tier, um dir zu zeigen, dass du ach so erfolgreich bist. Doch in Wahrheit rennst du nur vor dir selbst weg.“
   Sie ließ mit nach unten gezogenen Mundwinkeln ihren Blick von den Füßen bis zum Kopf langsam über mich streichen und sagte, deutlich jedes Wort betonend: „Davor würde ich auch davon laufen wollen.“
   „Späte Erkenntnis. Warum hast du es dann nicht gleich getan?“
   „Weil ich eine Frau bin und geglaubt hatte, dass du ein Mann wärst.“
   Sie stand auf. „Ich denke, du findest den Weg nach draußen alleine. Ich würde ja sagen, komm wieder, wenn du ein Mann geworden bist, aber dann bin ich alt und grau. Wenn überhaupt. Damit dir die Zeit bis dahin nicht lang wird, habe ich noch ein Abschiedsgeschenk für dich.“
   Mit spitzen Fingern, als ekele sie sich, ließ sie einen Umschlag auf den Tisch vor mir fallen, stand auf und verließ mit hoch erhobenem Kopf das Konferenzzimmer.
   Ich erhob mich nicht einmal, als sie den Raum verließ und griff nach dem Umschlag. Der Scheck würde darin sein. So, wie sie mich eben behandelt hatte, war klar, dass es sie ankotzte, mir auch noch Geld zahlen zu müssen. Ich riss ihn auf.
   Es war ein am Computer ausgedruckter Gutschein von einem Erotikkaufhaus im Internet. Für eine aufblasbare Gummipuppe.