Ausgeknockt

   Eine gut besuchte Hotelbar sieht anders aus. Im Dämmerlicht lümmelten vier Anzugträger auf dreibeinigen Edelstahlhockern am Tresen, zwischen ihnen spreizten sich zwei Angehörige der Busenfraktion und keine von ihnen trug einen Rock. Ein Pärchen turtelte im Hintergrund auf einer Sitzecke aus schwarzem Leder und mehr Weiblichkeit ließ sich nicht blicken.
   Natürlich glotzten sie alle zu mir und ich hatte Mühe, bei diesem Albtraumszenario meinen entspannten Gesichtsausdruck zu behalten, denn offenbar hatte die Eisprinzessin mich verarscht. Wahrscheinlich saß sie zu Hause in ihrem kratzigen Pyjama aus garantiert fair gehandelter Baumwolle und schnitzte eine neue Kerbe mit meinem Nicknamen aus dem Forum in ihren Baseballschläger. Oder sie las ein Buch über Schachstrategien für Fortgeschrittene. Mich hatte sie „matt in vier Zügen“ geschlagen. Das war der „Schäferzug“ und so legte man Anfänger aufs Kreuz. Eigentlich war das meine Absicht mit ihr gewesen, nur hatte ich mir das „aufs Kreuz legen“ etwas anders vorgestellt.
   Ich nahm mir den Hocker in der hintersten Ecke, schnauzte den Barkeeper vorbeugend an, damit er meinen Single Malt nicht wieder wie gestern Abend mit Eis versaute und versuchte mich in den Griff zu bekommen.
W   ie ging es weiter? Sie musste überprüfen, ob ich mich zu ihrem Affen gemacht hatte und auf ihre SMS hereingefallen war. Dazu musste sie entweder selbst eine schicken oder sie gab die ganz Coole und rief hier an.
   „Der Whisky für den Herrn. Kann ich noch etwas für Sie tun?“
   Der Barkeeper störte mich bei meinem wütenden Brüten über eine mögliche Antwort und ich verpasste ihm gleich noch eine Ladung: „Klar können Sie das. Besorgen Sie sich eine Flasche von dem Stoff, bevor mein Glas leer ist, dann müssen sie nicht wieder wie eben zu Fuß nach Loch Ness und zurück.“
   Er zog beleidigt ab und ich grinste hämisch. Geteiltes Leid ist halbes Leid und ich war nicht mehr alleine sauer.
   Auf dem Bildschirm über mir senste Schweinsteiger mit einer Blutgrätsche, die ihr Erfinder Schwarzenbeck nicht besser gekonnt hätte, einem spanischen Spieler übel die Beine weg und ich überlegte, ob wenigstens die Bayern heute einlochen würden. Mein Whisky schmeckte wie Abwaschwasser und ich winkte dem Barkeeper, um ihm noch eine zu verpassen, da verstummte auf einen Schlag das leise Summen der Gespräche neben mir. Die Männer hörten auf, den Damen neben sich die Ohren voll zu labern und sogar Junior auf der Ledercouch nahm die Finger aus seiner kichernden Freundin.
   Erstaunt wendete ich mich zur Tür, aber da drehte kein rosa Elefant mit grünen Punkten seinen Rüssel, sondern eine schlanke Frau mit einer im Licht der Deckenspots weiß schimmernden Bluse und einem wadenlangen, braunen Seidenrock, ihren Kopf. Sie schaute sich um, als erwartete sie, dass ihr jemand einen roten Teppich ausrollte oder sie war es nur nicht gewohnt, dass Männer in ihrer Gegenwart zu Salzsäulen erstarrten. Bei mir erstarrte auch etwas, aber das war nur sinnlose Blutverschwendung im Unterleib. Frauen wie sie waren der Siegespokal in einer Liga, für deren Spiele ich mir keine Eintrittskarte leisten konnte.