Ausgeknockt

   Was sollte das jetzt? Es gab ungeschriebene Regeln für solche Dates und eine davon besagte, dass weder die Vergangenheit noch eine mögliche Zukunft erwähnt wurden. Ärger stieg in mir auf, und dass mir bei der Erinnerung an dieses Abenteuer die Röte ins Gesicht schoss, verstärkte ihn noch. „Bist du hier, um mich über vergangene Liebesabenteuer auszufragen oder brauchst du das, um auf Touren zu kommen?“
   Die Schärfe in meiner Stimme quittierte sie mit einem Kopfschütteln und der Ausdruck in ihrem Gesicht wechselte zu Nachdenklichkeit. „Was mich auf Touren bringt, erfährst du noch rechtzeitig genug, wenn du zuhören kannst. Aber vielleicht möchte ich vorher wissen, mit welcher Art Mann ich mein nächstes Liebesabenteuer haben werde?“
   „Und weißt du es jetzt?“
   Sie lächelte, übergangslos, als hätte sie dafür nur einen Schalter umlegen müssen. „Natürlich. Du lädst deinen Frust darüber, dass du jeden Morgen alleine aufwachst, auf Frauen ab, die dir nichts getan haben, lässt es dir von Männern besorgen und kannst keine Frauen schlagen. Ich glaube, du bist ein Weichei. Vor allem dir selbst gegenüber.“
   Ich krampfte die Hand um das Whiskyglas, meine Augen suchten den Barkeeper, aber der polierte grinsend und außer Wurfweite einen Sektkelch auf der anderen Seite des Tresens.
   Hart setzte ich das Glas auf der Tischplatte ab, Köpfe ruckten herum zu mir und Ela fasste mit einer ringlosen Hand nach meinem Arm. „Ich bin ein neugieriges kleines Mädchen, dass gerne Männer ärgert. Ist dir das noch nicht aufgefallen?“
   Nein, es war mir noch nicht aufgefallen. Ich hatte sie für ein großes Mädchen gehalten, das wusste, was es wollte und so, wie sie auf meine Mail geantwortet, sich angezogen und die Bar betreten hatte, war das Sex gewesen. Und zwar mit mir. Hatte ich das falsche Aftershave aufgelegt oder einen Fleck auf meinen Schuhen übersehen? Ich hatte Besseres mit meiner Zeit anzufangen, als an einem hübschen Stück Holz herumzuraspeln, das sich noch nicht entschieden hatte, ob es Süßholz oder deutsche Eiche sein wollte.
   Ich knurrte: „Ich bin nicht hier, um mich ärgern zu lassen. Und sei dieser Jemand noch so sexy. Vielleicht gerade dann nicht!“
   Statt sauer zu sein, lachte sie so laut auf, dass alle Köpfe sich wieder ruckartig zu uns drehten, und ich fragte mich, ob ich Eintrittsgeld für unsere Show verlangen sollte, da drückte sie meinen Arm. „Gut gebrüllt, Löwe. Komm, der Platz auf der Couch ist gerade frei geworden. Da ist es nicht so hell und wir können in Ruhe noch ein bisschen reden, bevor wir auf dein Zimmer gehen. Oder hast du etwa keine Lust mehr?“