Ausgeknockt

   Wenn sie tatsächlich im Verkauf arbeitete, verdiente sie sich ihr Brot auf die harte Tour und vielleicht war ja die Art und Weise, wie sie mit mir umsprang, nur Selbstschutz in einer Männerwelt, in der die Schwachen untergingen und die, die schwach schienen, von jedem als Prügelknaben benutzt wurden. Frauen, die nach oben wollten, demonstrierten Stärke, indem sie sich wie Männer kleideten, redeten wie ihre Konkurrenten und meistens noch härter und brutaler waren als diese. Die Kunst, einen Mann mit Witz und Weiblichkeit zu dominieren und ihn mit einem simplen, aber wohl überlegten Übereinanderschlagen der Beine zu einem sabbernden Tölpel zu machen, war mit Marlene Dietrich gestorben.
   Dass eine Frau, die wie eine Prinzessin behandelt werden wollte, sich auch als solche benehmen, kleiden und reden sollte, rafften sie nicht. Weiblichkeit betrachteten die meisten einflussreichen Frauen heute eher als Makel denn als Waffe. Erotik bedeutete für sie, im passenden oder auch unpassenden Moment mit Arsch und Titten zu wackeln – sofern der Schönheitschirurg gute Arbeit geleistet hatte und, wenn es so weit war, an der richtigen Stelle zu stöhnen. Oder auch nicht. Von der Kunst subtiler Verführung verstand die moderne Frau von heute so viel wie ein Schwein vom Stabhochsprung. Es war eine Scheißwelt, auch für Männer, die nichts weiter als genau das sein wollten.
   Ela kehrte mit einem Lächeln im Gesicht zurück, setzte sich neben mich und schlug dabei ihre Beine so geschickt ungeschickt übereinander, dass ihr Rock den Blick auf leicht gebräunte Oberschenkel über dem spitzenlosen Rand von Strümpfen mit Haltern freigab. Die Welt färbte sich endgültig Rosa und mein gesunder Menschenverstand nahm ein Vollbad in Testosteron. Ich begann Sätze, sprach sie aber nur selten zu Ende und wusste doch, dass sie verstand. Es lag kein Gewitter in der Luft und trotzdem knisterte etwas. Vielleicht war es die elektrostatische Reibung, die entstand, wenn sich ihre bestrumpften Beine streiften. Oder mich berührten. Rein zufällig.
   Irgendwann rückte sie mir so nah, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte, ohne meine Finger in ihrer Wäsche zu haben und kitzelte mit ihrer Zungenspitze mein Ohrläppchen: „Bist du ein Fetischist?“
   Ich schnurrte mit halbgeschlossenen Augen. „Ja sicher und du bist mein Fetisch.“
   „Ich meine die Frage ernst. Macht dich etwas anderes als eine Frau scharf?“