Creature

   Hartwig bekam die Lippen kaum auseinander vor Wut. „Hast du in den Sternen gesehen, dass mich in Schwerin ein Unglück erwartet, oder fehlt dir jemand zum Kuscheln?“
   Detlev zuckte zusammen, als hätte Hartwig ihm unversehens ein Glas Wasser ins Gesicht geschüttet. Seine Augen verengten sich zu Schlitzen und mit einer Stimme, die durch den dunklen Flur hallte, als käme sie aus einer Gruft, antwortete er: „Wenn ich wissen wollte, was dir passieren wird, würde ich nicht in den Himmel schauen, sondern in der Hölle nachfragen. Aber das muss ich nicht, ein Blick in deine Augen genügt mir. In dir schreit etwas so laut um Hilfe, dass jeder es hören kann!“
   Er stützte sich mit beiden Händen auf seinen Stock, musterte Hartwig von Kopf bis Fuß und hätte Hartwig Augen besessen, die so etwas erkennen konnten, so hätte er das Mitleid im Blick Detlevs bemerkt. Er zischte: „Ich brauche keine Belehrungen von Käpt’n Ahab!“
   „Dass gerade du das sagst? Ich weiß, dass mich die Studenten hinter meinem Rücken so nennen. Es trifft mich nicht, denn es bezieht sich nur auf Äußerlichkeiten. Ich frage mich aber, wer von uns beiden ihm wohl mehr ähnelt.“
   Er hielt Hartwig einen Zettel mit seiner Telefonnummer hin. „Ich bin das Wochenende zu Hause in Schwerin. Wenn du jemanden zum Reden brauchst, ruf mich an. Bevor es zu spät ist.“
   Hartwig schlug den ausgestreckten Arm zu Seite, drängte sich an Detlev vorbei und ging, immer schneller werdend, den Flur hinunter.
   Detlev blickte ihm hinterher, dann rief er: „Hartwig, bitte …“
   Er hielt den Arm mit dem Zettel vor sich, hoffend, Hartwig würde sich eines Besseren besinnen und warten. Schließlich, Hartwig hatte die Tür des Ganges hinter sich zugeknallt, besann er sich und humpelte, so schnell es ihm möglich war, den Gang entlang. Gerade öffnete er die Tür zum Institutsparkplatz, da rauschte Hartwig in seinem alten Ford Scorpio an ihm vorbei.
   Lange blickte Detlev dem Wagen hinterher und murmelte schließlich: „Jeder von uns hat seine weißen Wal. Hoffentlich wirst du die Begegnung mit deinem überleben.“
   Das Echo seiner Stimme hallte durch den leeren Flur und kehrte, immer leiser werdend, als „… leben, … leben, … leben“ wieder.