Gaija

   Nach vier gezierten Schritten stand er neben ihrem Tisch, beugte sich vor und sagte leise mit einem gewinnenden Lächeln etwas zu ihr. Sie drehte den Kopf, musterte ihn aufreizend lange, ohne dass sich auch nur ein Muskel dabei in ihrem blassen Gesicht bewegt hätte. Dann fiel ihre volle, rauchige Stimme von weit oben auf ihn herab, und laut genug, dass wir alle sie hören konnten, antwortete sie: „Danke nein. Ich will weder, dass Sie jetzt an meinem Tisch Platz nehmen, noch später zwischen meinen Beinen. Ich ficke nur Männer.“
   In der brüllenden Stille danach tat er mir fast ein bisschen leid, aber nur fast. Goldkette drückte den Rücken durch, kehrte zu seinem Tisch zurück und jeden unserer hämischen Blicke musste er wie einen Peitschenhieb auf seinem Rücken fühlen. Geschlagen nahm er Platz und versteckte sein gerötetes Gesicht hinter einem Männermagazin. Kurze Zeit später zahlte er und verschwand.
   Etwas in mir wollte, dass ich es ihm gleich tat, aufstand und sie ansprach. Doch selbst wenn ich nicht auf Sabrina gewartet hätte, so wäre die Angst vor der Eiseskälte ihres Blicks und das zu erwartende, vernichtende Gefühl des Nichtbeachtetwerdens Grund genug gewesen, mich keinen Millimeter zu rühren. Ich versuchte, an meinen See zu denken, aber es gelang mir nicht. Wie von einem Magneten angezogen, schaute ich immer wieder verstohlen zu ihr hinüber.
   War ich ihr aufgefallen? Ich hatte gerade erneut unter gesenkten Wimpern nach ihr geschaut, da schlug sie langsam die kräftigen Beine übereinander. Das Schimmern von weißer Haut über dem seidigen Schwarz von Nylonstrümpfen ließ Testosteron in meine Adern und einen Hitzeschwall in mein Gesicht schießen. Als würde sie es fühlen, hob sie den Kopf und blickte mich an. In ihren Augen loderte die Höllenglut eines ausbrechenden Vulkans und sie brachte dunkle Phantasien in mir ans Licht, die jeder normale Mann tief in sich weggesperrt hat. Ihre Lippen bewegten sich, vielleicht sagte sie auch etwas, doch ihre Worte erreichten mich nicht mehr. Sie lächelte, streckte eine Hand aus und führte mich in die Nacht meiner Träume.