Gaija

   „Hey, bist du noch in dieser Welt?“
   Ich zuckte zusammen. Sabrina saß neben mir und ich hatte nicht bemerkt, wie sie zurückgekehrt war. Was war das denn eben? Verdammte Müdigkeit. Mein Traum war unglaublich real gewesen. Als Jugendlicher war mir das einige Male passiert, nachts, im Bett. Ich schaute auf die Frau zwei Tische weiter, die gerade zahlte. Ihre Magie war verflogen und sie war nur noch eine Frau unter vielen. Vielleicht ein bisschen zu auffällig gekleidet, ein bisschen zu stolz, ein bisschen…
   „Du hast dich bekleckert!“
   Ich blickte auf mein linkes Hosenbein. Der feuchte Fleck auf der Jeans in Höhe des Oberschenkels sprach Bände und mir schoss die Schamröte ins Gesicht, denn meinen Kaffee hatte ich vorhin schon ausgetrunken. Ohne einen Tropfen zu verschütten.
   Sabrina blickte zu der fremden Frau hinüber, beide schauten sich für eine unendlich lange Sekunde in die Augen und mir war, als fände zwischen ihnen ein lautloses Gespräch statt. Dann erhob sich die andere Frau und ging. Die steile Falte auf Sabrinas sonst makellos glatter Stirn war mir neu. Sie zischte: „So ist das also!“ Abrupt stand sie auf und ich blickte beschämt zu Boden.
   Sie fasste nach meinem Kinn, bog es nach oben und fuhr mir mit einem Fingernagel langsam über die Wange, dass es schmerzte. „Keine Sorge, mein Liebster. Ich habe nur etwas vergessen. Du kannst schon zahlen, ich bin sofort wieder da!“
   Tatsächlich brauchte sie noch zwanzig Minuten, bevor sie mit einem nagelneuen schwarzen Lederrock um die Hüften und dem gleichen kalten Lächeln im Gesicht zurückkehrte, dass ich erst vor kurzem gesehen hatte, doch nicht bei ihr.
Sie packte meine Hand, zog mich ganz dicht zu sich heran und sagte mit einer Stimme, die tief aus ihrer Kehle kam: „An die heutige Nacht wirst du noch lange denken, das verspreche ich dir!“