Hartwig

Nur ein Lächeln

   Das viel zu laute Lachen des breitschultrigen Mannes mit dem wenigen, aber wirren Haar am Tresen dröhnte durch die Halle: „Wenig Kohle und zu jedem Idioten musst du freundlich sein. Ich müsste ja ein Vollpfosten sein, wenn ich hier arbeiten würde!“
   Er nickte dazu und die Schweißperlen auf seiner Stirnglatze rollten über die Wange, fanden zielsicher ihren Weg durch den offenen Kragen seines Polohemdes und gesellten sich dort zu ihren vielen Vorgängern. Er blickte mit glitzernden Augen der kleinen, nicht mehr jungen Frau mit den langen roten Locken hinter dem Tresen auf die Brüste. „Du bist zwar nicht mehr so taufrisch, aber mit deinem Aussehen könntest du noch ordentlich Kohle verdienen. Natürlich nicht in dem Schuppen hier.“
   Den winzigen Aussetzer in der kreisenden Bewegung ihrer kleinen Hände, mit der sie ein Glas polierte, und den bläulich schimmernden Stahl in ihren Augen nahm er nicht wahr. Ebenso wenig wie den besorgten Blick, den sie mit zusammengezogenen Brauen nach links ins Dunkel warf.
   Sie stellte das Glas auf den Tresen, strich sich mit beiden Händen über die schmalen Hüften, tat so, als wollte sie sich drehen und fragte: „Meinen Sie wirklich? Doch nicht etwa mit Ihnen?“
   Die Wangen der Blondine mit den hungrigen Augen auf dem Barhocker neben dem Mann nahmen die Farbe einer überreifen Apfelsine an. „Wir wollten schon vor einer halben Stunde gehen!“, piepste sie, schob seine Hand von ihrem Schenkel und blickte angewidert auf den feuchten Fleck, der auf ihrer Strumpfhose zurückblieb.
   Ein paar Schritte entfernt, im Halbdunkel hinter dem Counter des Bowlingcenters, lehnte Hartwig mit vor der Brust gekreuzten Armen und schmerzendem Rücken an der Wand und beobachtete die Szene mit zornig zusammengepressten Lippen. Eigentlich hätte er viel lieber gelächelt. Es bügelte die Falten aus dem Gesicht, fand er. Vor allem bekam man es meistens mit Zins und Zinseszins zurück. Doch zweiundsechzig Kinder und einhundertachtundneunzig Erwachsene hatten in den letzten elf Stunden im Bowlingcenter ihren Spaß gehabt und jeder von ihnen hatte ein bisschen von seinem Lächeln abgezwackt, bis nichts mehr davon geblieben war. Jetzt feierten Stresshormone und Kopfschmerzen in seinem Kopf eine wüste Party und endlich nach Hause fahren und in sein Bett fallen zu können, war alles, was er sich noch wünschte. Nur stand diesem Wunsch das besoffene Pärchen am Tresen entgegen und ihre Ignoranz war es, die ihn wütend machte.