Kategorie5


     Und es war noch nicht vorbei. Ende 1982 versenkte ein Kaventsmann vor der Südspitze Chiles, nur neunhundert Kilometer von den letzten Ausläufern der Antarktis entfernt, ein Kreuzfahrtschiff. Die dreißig Meter hohe Monsterwelle brauchte nur Sekunden, die „Nordic Hero“ mit den Eltern von Ruud Ängström zu zertrümmern und auf den Grund des Südatlantiks zu schicken. Ihr Sohn kassierte die Lebensversicherungen und wirtschaftete die Reederei, für die er sich noch nie interessiert hatte, in den Konkurs. Er ließ sich einen schwarzen Backenbart wachsen, der seinem Gesicht das Aussehen einer geöffneten Kneifzange gab und machte sich als Waffenhändler einen Namen.
     Im selben Jahr erhängte sich unter der Londoner Blackfriars Bridge der italienische Bankier Roberto Calvi; im Universitätsklinikum Erlangen stieß das erste deutsche Retortenbaby einen Schrei aus und das elektronisches Virus „Elk Cloner“ schlug eine Schneise der Verwüstung durch fast jedes Computernetz der Erde.
     Vierzehn Jahre später, 1996, sorgte die Antarktis erneut für Aufsehen, denn ein Millionen Jahre alter Süßwassersee wurde unter ihr entdeckt – der Lake Wostok. Zweihundertvierzig Kilometer lang, neunhundert Meter tief und in ewiger Dunkelheit ist er der größte Hohlraum unter der Erde, der je gefunden worden war. Man vermutete uraltes Protoleben in ihm, konnte das jedoch nicht beweisen, denn er befindet sich vier Kilometer unter dem ewigen Eis in tiefster Dunkelheit und damit weit außerhalb der technischen Möglichkeiten der damaligen Zeit. Nur eines wusste man – welcher Art das Leben dort unten auch war – es musste viel älter sein als die Menschheit.
     Alle diese Ereignisse geschahen mit Notwendigkeit zu ihrem vorherbestimmten Zeitpunkt und sie schienen nichts miteinander zu tun zu haben. Doch nichts in der Welt geschieht durch Zufall, hinter allem steckt ein Plan und nur, weil man ihn nicht sieht, bedeutet es noch lange nicht, dass er nicht existiert. Die Nornen knüpfen das Netz des Schicksals aus vielen Fäden und nur die wenigsten davon verstehen die Menschen. „Leben“ nennen sie das und sie glauben, dass sie an seinem Ende nichts anderes erwartet als das Erlöschen von Körper, Geist und Seele und dass es eine Reise ohne Wiederkehr sei.
     Glauben ist menschlich.
     Irren auch.