keine_woelfe

   Gegen elf Uhr des gleichen Tages klingelte das Telefon Maria aus dem Schlaf. Sie hatte am Morgen Markus losgeschickt und sich danach noch einmal hingelegt.
   Frau Sawetzki rief aus dem Sekretariat der Nils-Holgerson-Grundschule an: „Frau Müller, ist Ihr Sohn noch krank? Er ist nicht in der Schule.“
   Maria glaubte, sich verhört zu haben: „Das kann nicht sein. Ich habe ihn heute Morgen zum Bus geschickt!“
   „Er ist aber nicht hier.“ Aus der Antwort der Schulsekretärin klang Beunruhigung.
   Maria fiel die Auseinandersetzung mit Markus gestern Abend ein und ihr wurde heiß. „Ist Markus denn mit den anderen im Schulbus angekommen?“
   Frau Sawetzki bat sie um einen Moment Geduld und Maria erinnerte sich, wie sehnsüchtig Markus heute Morgen auf seine Laika gewartet hatte und, als sie nicht gekommen war, wie traurig er zum Bus getrottet war.
   Frau Sawetzki meldete sich wieder: „Ich habe in der Klasse von Markus herumgefragt. Er ist zwar der Einzige, der in Stern Buchholz einsteigt, aber die anderen Kinder sagen, dass er nicht im Bus gewesen sei, als sie zugestiegen sind. Wissen Sie denn nicht, wo Markus ist, Frau Müller?“
   „Wenn er nicht bei Ihnen ist, dann weiß ich es nicht.“, antwortete Maria.
   „Das ist nicht gut. Dann suchen Sie die Siedlung ab und fragen Sie alle Leute. Ich horche hier auch noch einmal herum. Wenn Sie ihn nicht finden, müssen Sie die Polizei rufen!“
   „Aber wenn …“
   „Kein Aber! Suchen Sie Ihren Sohn, Frau Müller. Sofort! Wenn ich in einer halben Stunde nichts von Ihnen höre, rufe ich Sie noch einmal an und dann selbst die Polizei!“
   Frau Sawetzki hatte aufgelegt und Maria suchte mit zitternden Händen ihre Sachen zusammen und stürmte zur Tür. Sie rannte durch Stern Buchholz, klingelte an jeder Tür der vier Wohnblocks und fragte jeden, den sie auf der Straße traf, doch niemand hatte Markus gesehen. Schließlich blieb ihr nichts anderes übrig, als die Polizei zu holen.
   Es war fast Eins, bis zwei Beamte mit ihrem Dienstwagen eintrafen, sie befragten und selbst noch einmal in der Siedlung auf die Suche gingen. Auch sie fanden keine Spur von Markus und riefen nach Verstärkung. Weitere Autos trafen ein, spuckten Hunde und noch mehr Polizisten aus, die nach Markus suchten. Kurz vor Dunkelwerden flogen zwei Hubschrauber über den Ort und suchten mit Wärmebildkameras seine Umgebung ab, aber Markus blieb verschwunden..
   Dann setzte heftiger Schneefall ein, der Wind wurde zum Sturm und der meteorologische Dienst gab eine Wetterwarnung heraus. Die Hundestaffeln und die Hubschrauber brachen die Suche ab und auch die freiwilligen Helfer gaben auf.