keine_woelfe

   „Mama! Was hast du? Ist alles in Ordnung?“ Markus schaute seine Mutter von der Seite an. Warum weinte sie? Wegen der blöden Familie von Dieter? Nicht zum ersten Mal dachte er daran, was passiert wäre, wenn er seine Laika nicht im letzten Moment aufgehalten hätte. Dann wäre es wenigstens irgendwie gerecht gewesen. Aber in seinem Herz war kein Platz für Bosheit und so streichelte er seiner Mutter nur unbeholfen über ihr Haar, um sie zu trösten.
   Es klingelte und er sprang wütend von der Couch, bevor Maria sich aufrichten konnte. Heute war Weihnachten und sie sollten seine Mutter endlich in Ruhe lassen! Er rannte zur Tür, riss sie mit einem Ruck auf – und erstarrte zur Salzsäule. Eine schwarze Hundenase stupste ihn in den Bauch, große Pfoten legten sich auf seine Schultern und eine feuchte rosa Zunge fuhr ihm ein ums andere Mal über das Gesicht.
   „LAIKA!“
   Im Hauseingang beobachtete Lothar Seidel, der alte, ungebeugte Mann mit dem langen weißen Bart, die Szene und seine Augen unter den buschigen Brauen strahlten wie die des Kindes und der Hündin.