keine_woelfe

   „Laika!“
   Mit einem wilden Knurren fuhr ihr Kopf zu Markus herum, ohne dabei Dieters Arm loszulassen.
   Markus kämpfte sich aus dem Schnee und versuchte, die wütende Laika von Dieter herunter zu zerren. Er brauchte alle seine Kraft dazu, denn sie war nicht bereit, ihr Opfer so einfach loszulassen. Schließlich gab sie nach, weil sie Markus nicht verletzen wollte.
   Mit einer Gesichtsfarbe, die der des Schnees glich, in den ihn die Pranken der Hündin geschleudert hatten, richtete Dieter sich auf. Blut tropfte von seinem zerbissenen Arm in den Schnee, er presste seine freie Hand auf die Wunde und blickte voller Angst Laika an. Seine Freunde hatten längst das Weite gesucht und er wusste nicht, was er tun sollte. Einfach weglaufen wollte er nicht, das verbot ihm sein Stolz, aber gegen die Hündin konnte er nichts tun, sie war viel stärker als er. „Das wirst du bereuen. Ich lass das Vieh abknallen und du kommst ins Heim!“, stöhnte er schließlich mit vor Schmerz und Wut verzerrtem Mund.
   Laika knurrte, es kam tief aus ihrer Kehle, erneut spannten sich ihre Muskeln und Markus schrie: „Hau doch endlich ab! Ich kann sie nicht mehr lange halten!“
   Er war zu wütend, um über die Worte Dieters nachzudenken. Der sollte endlich aus seinem Wald verschwinden und ihn und Laika in Ruhe lassen.
   Dieter warf noch einen wütenden Blick auf die Hündin, dann drehte er sich um und rannte seinen Freunden hinterher.
   Markus schlang seine Arme um Laikas Hals. Sie zitterte noch immer vor Wut und er flüsterte ihr mit Tränen in den Augen in die aufgestellten Ohren: „Ich hab‘ dich lieb.“ Ihm kam nicht in den Sinn, dass er seiner Mutter nur wenige Stunden zuvor gesagt hatte, nie jemanden lieben zu wollen.
   Nach einer Weile richtete er sich wieder auf, steckte seinen Zeigefinger in den Mund und lutschte daran, ohne es zu bemerken. Was sollte er jetzt tun? Laika hatte Dieter gebissen und dessen Vater würde bestimmt zu Mama gehen und sich beschweren. Markus blickte erst Laika an und dann zur Wohnsiedlung, deren Lichter durch die Bäume schimmerten. Seine Mutter war sicher noch nicht zu Hause, sie kam immer erst spät am Abend, wenn sie mit dem Putzen für die reichen Leute fertig war. Und dann war sie müde und hatte meistens schlechte Laune. Außerdem hatte auch noch nicht mit Laika getobt und deswegen war er doch in den Wald gelaufen…
   Laika saß neben Markus und schaute zu ihm auf. Sie verstand ihn nicht. Er war doch hier, um mit ihr zu spielen und sie hatte seine Feinde vertrieben. Worauf wartete er denn noch? Sie drehte sich zu ihm und stupste ihn mit ihrer Nase. Markus fiel rücklings in den Schnee und sah sie überrascht an. Sie leckte ihm mit der Zunge über das Gesicht, sprang ein paar Schritte zur Seite, schaute ihn mit schräg gelegtem Kopf und wedelndem Schwanz an und schleudert ihm dann mit ihren Hinterpfoten Schnee ins Gesicht.
   Das wollte Markus sich nicht gefallen lassen, er sprang auf, formte mit seinen Händen einen großen Schneeball und warf ihn nach ihr. Blitzschnell wich sie aus, drehte sich, sprang Markus an und drückte ihn wieder in den Schnee. Markus krabbelte unter ihr hervor und stupste sie dabei um. Beide kullerten jetzt durch die weiße Pracht und durch den Wald schallten Laikas fröhliches Gebell und das Lachen des glücklichen Markus.