neandertalerin

Die Auflehnung der Neandertalerin

   
Andrea hatte ihre gespreizten Beine auf das Bett gestemmt und ihren Rücken in einem schier unmöglichen Winkel nach oben gebogen. Den Mund zu einem Schrei aufgerissen, zerrte sie an den Haaren der Frau zwischen ihren Schenkeln und presste sie mit aller Kraft gegen ihren Unterleib.
   Mit mahlenden Kiefern und halb zusammengekniffenen Augen, als könnte er so schärfer sehen, schaute Malte Hansen auf das Bild in seinen Händen. Es war das Foto eines Profis, aufgenommen mit einem Teleobjektiv durch das Fenster eines Hamburger Luxushotels. Gestochen scharf hoben sich die schweißglänzenden Körper der beiden Frauen von dem zerknüllten schwarzen Seidenlaken ab.
   Jedes Detail davon nahm er in sich auf. Die dunklen Locken der Frau zwischen Andreas Schenkeln mit der roten Strähne darin, die achtlos zu Boden geworfenen Kleidungsstücke und auch die beiden Cocktailgläser mit dem Zuckerrand auf dem Tischchen nicht weit entfernt von dem Doppelbett. Eines davon war umgestürzt. Sie mussten wie die Tiere übereinander hergefallen sein, nicht einmal die Zeit zum Ausziehen hatten sie sich genommen. Andrea hatte den Rock aus weißem Kängeruhleder, den sie zusammen in London gekauft hatten, nur hochgeschoben und der Frau, deren Gesicht von Andreas Schenkeln verdeckt wurde, klebte noch der Stoff eines taubenblauen Kostümrocks auf ihrem ausladenden Hintern.
   Andrea hatte den Kopf zur Seite gedreht und blickte direkt in die Kamera, von der sie nichts wissen konnte. Jeder, der ihre in Ekstase aufgerissen Augen sah, würde wissen, dass das Foto exakt in jener Sekunde geschossen worden war, in der ihre Welt nur noch aus wilden Lustschreien und unkontrollierten Muskelkontraktionen in ihrem Unterleib bestanden hatte.
   Doch niemand würde es je zu Gesicht bekommen. Er starrte noch einen Moment mit brennenden Augen auf das Foto, bis er sich sicher war, keines der Details seiner Schande darauf jemals zu vergessen, dann riss er es in Fetzen, immer wieder, so lange, bis selbst seine starken Finger aufgaben. Achtlos ließ er die Schnipsel auf den dunkelvioletten Veloursteppichboden der Hotellounge rieseln.
   Der unscheinbare Mann in dem Sessel ihm gegenüber mit dem schütteren Blondhaar und einem blassen Gesicht, das man nach dem ersten Blick sofort wieder vergaß, hieß Winfried Scheidler und verdiente sein Geld als freier Mitarbeiter für ein Sicherheitsunternehmen. Er musterte hinter halbgesenkten Wimpern scheinbar gelangweilt die Gäste in der Lobby, doch in Wirklichkeit ließ er sich kein einziges Zucken in dem fast quadratischen Gesicht seines breitschultrigen Gegenübers entgehen.