neandertalerin

   Wenn sich Hansen das Foto ohne seine testosteronverklebten Augen angesehen hätte, wäre ihm aufgefallen, das seine Frau die ganze Zeit genau dorthin geschaut hatte, wo die Kamera gestanden hatte, als wäre sie ein Fotomodell und als hätte sie gewusst, dass sie observiert wurde. Die Art, wie die blonde Schönheit es mit der Sommer getrieben hatte, war mehr eine Zurschaustellung gewesen denn ein Liebesakt. Das Ganze hatte gewirkt, als hätte sie jemandem damit den Stinkefinger zeigen wollen und wenn dieser jemand Malte Hansen war, dann wollte Scheidler mit der Sache nichts zu tun haben. Wenn die oberen Zehntausend ihre Kriege führten, bezahlten immer die kleinen Leute wie er die Zeche und so antwortete er nur: „Ja. Natürlich.“
   Hansen schnaubte und seine Stimme dröhnte durch die Hotellounge: „Dann sind Sie ein verdammter Idiot! Vor einem Monat habe ich Sie auf die Spur gesetzt, aber Sie wollen mir weißmachen, dass alle bisherigen Treffen der beiden – und es dürften einige gewesen sein – so versteckt waren, dass Sie mir nicht einmal sagen konnten, von wem sich meine Ehenutte knallen lässt. Und auf einmal schmeißen Sie mir Hochglanzfotos von dem gestrigen Treffen auf den Tisch, als hätten sich die beiden in einer meiner Peepshows gewälzt. Entweder, Sie sind ein Pfuscher, der gestern nichts weiter als Glück gehabt hat, oder Sie haben von meinem Geld in den letzten Wochen fröhliches Sangriasaufen auf Malle gemacht.“
   Scheidler zuckte die Schultern und sagte: „Wenn Sie meinen. So haben Sie schon beim letzten Mal die Rechnung gedrückt. Scheint eine schlechte Angewohnheit bei Ihnen zu sein. Mit dem, was jetzt wahrscheinlich kommt, will ich sowieso nichts mehr zu tun haben. Ihre Frau hat nie im Voraus gebucht, immer nur direkt am Empfang und immer alleine. Wir konnten weder Technik in der Suite installieren noch ihr im Fahrstuhl folgen, ohne aufzufallen. Die Sommer wird immer mit dem Lift direkt aus dem Parkhaus hochgefahren sein und ohne Zugriff auf die Videokameras hatten wir gar keine Chance, herauszufinden, mit wem sich Ihre Frau trifft. Erst als wir dieses Foto hatten, haben wir sie über ihre Autonummer bekommen.“
   Es gab nichts weiter zu sagen, doch etwas zwang Scheidler, noch eine Frage zu stellen: „Was werden Sie jetzt tun?“
   Hansen verzog seine schmalen Lippen zu einem Haifischgrinsen. „Meine Ehefrau geht gerade den Bach runter. Ich kann auch gerne noch einen unfähigen Privatdetektiv hinterherschmeißen. Wolltest du sonst noch etwas fragen – Schnüffler?“
   Scheidler presste den Mund zu einem Strich zusammen und dachte, dass er die Frage besser für sich behalten hätte. „Sie dürfen gerne auf mir herumtrampeln, falls Sie sich dann besser fühlen. Das ist in meiner Rechnung schon mit einkalkuliert. Wenn Sie mich nach Dreck schnüffeln lassen, müssen Sie auch damit rechnen, dass ich ihn finde. Wenn Sie die Wahrheit nicht wissen wollen, engagieren Sie das nächste Mal Rudi Ratlos von der Müllabfuhr. Nichts für ungut. Sie haben meine Nummer!“
   Er drehte sich um, ging an die Bar sein Bier bezahlen und dachte daran, was Hansen jetzt mit seiner Ehefrau anstellen würde. Doch eigentlich ging es ihn nichts mehr an, er war raus aus der Geschichte und letzten Endes war sie selbst schuld. Wer mit dem Teufel tanzte, musste auch die Musik bezahlen.
   Auf dem Weg zum Ausgang blickte er noch einmal in die Lounge. Hansen saß noch immer in seinem Sessel und blätterte in einem abgegriffenen schwarzen Notizbuch.
   Scheidler machte, dass er davon kam.