neandertalerin

   Er zog die Mundwinkel nach unten. „Klar doch. Noch zehn Jahre auf die Weide gehen und grasen, bevor du das nächste Mal einem Mann wie mir so eine Frage stellst“, antwortete er überdeutlich und blickte gelangweilt an ihr vorbei.
   Die Kellnerin schnappte nach Luft, ihre Wangen röteten sich, dann drehte sie sich um und rannte davon.
   Die Frau im blauen Kostüm lächelte, griff mit schlanken Fingern mit knallrot lackierten Fingernägeln nach dem dicken Strohhalm in ihrem Caipirinha und verrührte den Rohrzucker darin. Dann hob sie das Glas zum Mund und warf ihm über dessen Rand hinweg den zweiten Blick zu. Er wollte seine Augen wieder abwenden, da öffnete sie den Mund und leckte langsam mit der Zunge den Zucker vom Rand des Glases, ohne seine Augen dabei aus ihrem Blick zu lassen.
   Mit Mühe riss er sich los und drehte hoffentlich deutlich genug für sie seinen Kopf. Sie musste nicht sehen, wie er Luft holte. Was war das gewesen?
   Wieder lächelte sie, dann stellte sie, als hätte sie einen plötzlichen Entschluss gefasst, das Glas hart auf dem Marmortisch ab. Sie warf ihm den dritten Blick zu, er spannte die Muskeln, um aufzustehen und an ihren Tisch zu gehen, da griff sie nach ihrer Handtasche, erhob sich und ging die Treppe, die ins Innere des Restaurants führte, hinauf.
   Verblüfft starrte er ihr nach. Erst machte sie ihn heiß und dann haute sie ab? Was für eine blöde Kuh! Wütend drehte er seinen Korbstuhl zur Seite, so dass er das Restaurant im Rücken hatte, streckte die Beine, faltete seine Pranken vor dem Bauch und begann bewusst langsam zu atmen, um seine Wut abzukühlen. Wozu hatte er schließlich einen Mentaltrainer?
   Nach einigen Minuten sank sein Blutdruck wieder auf normale Werte, er zog einen Zweihunderteuroschein hervor und warf ihn achtlos auf den Tisch. Scharrend schob er den Stuhl zurück und stand auf, da sagte jemand hinter ihm: „Oh, sie wollen schon gehen? Das ist aber schade!“
   Er fuhr so ruckartig herum, dass er fast die hinter ihm stehende Frau im taubenblauen Kostüm umgeworfen hätte. Reflexartig griff er nach ihrer Hand, um ihren Sturz zu verhindern und viel leichter, als er erwartet hatte, landete sie mit einem überraschten „Oh!“ an seiner Brust.
   Er fand, dass sie einen Moment zu lange so stehenblieb, bevor sie sich von ihm löste und sagte: „Sie haben aber Reflexe! Und einen starken Arm.“
   Und sie hatte Klasse und wusste offenbar genau, wie sie mit einem Mann wie ihm umzugehen hatte. Jede andere Frau hätte sich nur abgestützt, doch sie hatte die Gelegenheit genutzt, um mit den Fingernägeln über seine Brust zu fahren. Er kollerte mit gesenkter Stimme: „Ich habe noch einiges mehr. Malte Hansen, Hansenbau.“
   Mit einem angedeuteten Nicken hob er seinen umgestürzten Stuhl auf und wies mit der Hand zum Tisch. „Ich habe noch einen Geschäftstermin, aber wenn es wichtig genug ist, kann ich den auch verschieben. Nehmen Sie Platz!“
   Er zog ihr den Stuhl zurück, sie folgte ohne Zögern seiner Aufforderung und damit war klar, dass sie nun doch noch zu seiner Erinnerung werden würde!
   „Und – bin ich wichtiger als ihr Geschäftstermin?“
   Sie lächelte, doch ihre Augen blickten kalt dabei. Also hatte er doch Recht gehabt, sie wusste genau, was sie wollte und damit würde es wirklich schnell und ohne Umwege gehen. Für einen Moment störte ihn, dass sie nicht die Höflichkeit besessen hatte, sich vorzustellen, wie er es getan hatte. Doch sie kam aus dem Osten, was konnte er da schon von ihr erwarten. Sie würde andere Talente haben und er musste, wenn er sie nutzte, dann auch nicht mehr höflich, noch zartfühlend sein. Das vereinfachte Vieles und würde den Spaß, den er mit ihr im Bett haben würde, verdoppeln.