robert

   Vor mehr als dreißig Jahren hatte Benedict Mayer eine kleine Abhandlung über die göttliche Zahl geschrieben. Seiner Überzeugung nach war sie nicht nur die Grundlage zur Berechnung der perfekten Kugel, sondern ihre unendlich vielen Nachkommastellen nichts anderes als eine verschlüsselte Bibliothek des göttlichen Wissens. Sein Traktat hatte ihn dem Spott seiner Fachkollegen ausgesetzt, aber auch einen italienischen Magistertitel und kurz darauf den Besuch einer mit amerikanischem Akzent sprechenden Dame in Begleitung zweier Herren in dunklen Mänteln gebracht.
   Er hatte zwanzigjährige Modelle gesehen, die lange nicht so schön gewesen waren wie diese doppelt so alte Dame in dem hellgrauen Tweedkostüm mit den wunderbar geschwungenen Lippen. Sie hatte sich als Meredith Brooks vorgestellt, die beiden Männer links und rechts von ihr waren stumm geblieben. Mit Polareis in ihrem Blick hatte sie gefragt: „Lieben Sie Ihr Land und die Freiheit, die sie genießen, Mr. Mayer?“
   Dem Angebot, das sie ihm dann unterbreitet hatte, hatte er nicht widerstehen können und in den folgenden Jahren seinen Intellekt mit dem seiner Kollegen auf der russischen Seite gemessen. Wie kalt der Krieg da draußen auch immer gewesen sein mochte, er hatte es immer schön warm gehabt und einen wunderbaren Blick auf den Funkturm aus seinem schicken kleinen Westberliner Büro.
   Freitags, manchmal auch schon donnerstags, war er zurück nach München geflogen, samstags hatte er den Rasen vor seinem Häuschen gemäht und Sonntagvormittag nach dem Kirchengang mit dem schmunzelnden Pastor Thomas diskutiert, ob Gott ein mathematisches Genie war.