robert

   Sie nahm ihm gegenüber Platz, öffnete ihren leichten Mantel und zupfte das Sommerkleid mit den karmesinroten Kamelien darunter über den schmalen Knien zurecht. „Wie war deine Fahrt?“
   Ihre Stimme klang nicht so frisch, wie er sie in Erinnerung hatte. Müdigkeit schwang darin, Angespanntheit und noch etwas anderes. Vielleicht war es die Nachmittagshitze. „Wie immer. Von Schwerin nach Berlin ist ja nun keine Weltreise, der Wartburg tut seinen Dienst und am Sonntag ist die Autobahn leer. Bei diesen Sommertemperaturen fahren die Leute eher von Berlin an die Ostsee als andersherum.“
   „Die, die es sich leisten können und ein Auto haben.“
   Sie bestellte einen Schoppen Erlauer Stierblut und er zog die Stirn kraus. Nachdenklich schaute er ihr in das schmale, halb hinter einer Sonnenbrille mit sehr dunklen Gläsern verborgene Gesicht. „Magst du nicht lieber Kaffee oder Wasser trinken?“
   „Stört es dich, dass ich Rotwein trinke?“
   Er zuckte die Schultern. „Nein, natürlich nicht.“
   „Warum fragst du dann?“
   „Bei dieser Hitze wirst du von dem schweren Rotwein Kopfschmerzen bekommen.“
   „Ich dachte immer, ich wäre die Ärztin. Hast du in den 14 Tagen, die wir uns nicht gesehen haben, Medizin studiert?“
   „Warum bist du so gereizt?“
   Sie antwortete nicht. Mit verkniffenen Lippen sah sie an ihm vorbei und schwieg, bis die Kellnerin mit den schönen Beinen den Rotwein brachte. So hastig, als sei sie am Verdursten, griff Kerstin nach dem Glas, besann sich aber unter seinem Blick und trank betont genussvoll die blutrote Flüssigkeit.