robert

   Sie hob den Kopf und schaute ihn an. „Ich habe hier zu viele Verpflichtungen. Und mein Mann würde es nicht verstehen. Es würde seiner Karriere schaden und das kann ich ihm nicht antun.“
   „Ich wollte nicht die Presseerklärung für das „Neue Deutschland“.
   „Willst du damit sagen, dass ich dich anlüge?“
   Für eine Sekunde blendete ihn eine Sonnenspiegelung. Es konnte eine Autoscheibe gewesen sein oder ein Fenster, das geöffnet wurde. Er wartete einen Moment, dann drehte er ein wenig seinen Kopf. Nicht so weit, dass er direkt in die Richtung blickte, denn das hätte einem Beobachter verraten, dass er entdeckt worden war. Dann hob er scheinbar entspannt die Kaffeetasse zum Mund und fixierte für einen Moment aus den Augenwinkeln den vielleicht zwanzig Meter entfernt stehenden Mann mit dem Tirolerhut. Er lehnte am Geländer, das das Spreeufer und den Anlegesteg von dem Bereich des Kaffees trennte und fotografierte mit einer Kamera mit einem auffallend großen Objektiv zur Museumsinsel hinüber. Vielleicht war es nur ein Tourist oder ein Fotograf, der hier nach Motiven für eine Postkartenserie suchte. Möglich, dass er sich gedreht hatte und die Linse des Teleobjektivs die Sonnenstrahlen in dem Sekundenbruchteil gespiegelt hatte, als sie auf Robert gerichtet gewesen war. Vielleicht.
   Er legte Kerstin die Hand auf den Unterarm und senkte die Stimme. „Wann hast du zum letzten Mal in einen Spiegel geschaut? Du siehst müde aus, vernachlässigst dein Äußeres, hast aufgehört, deine Haare zu färben, lässt dich gehen, und falls du denkst, dass ich das Zittern deiner Hände nicht gesehen habe, hast du dich getäuscht. Ich sehe alles. Du gehst an deiner Ehe kaputt!“
   „Bist du sicher, dass es an meiner Ehe liegt?“
   „Natürlich bin ich das! Warum tust du dir das immer wieder an? Warum tust du mir das an?“
   Sie zischte: „Was tue ich dir denn an? Du gondelst gemütlich von Schwerin nach Berlin, machst dir ein schönes Wochenende mit mir, und wenn du nach Hause kommst, ist da niemand, den du anlügen musst. Ich habe eine Verpflichtung gegenüber meinen Patienten und noch immer gegenüber meinem Mann. Eine Verantwortung. Kennst du das Wort überhaupt? Du verstehst nichts, gar nichts!“