Sternenherz

Das Herz der Sterne
   
„Komm“, sagte Malgorzata, nahm seine Hand und zog ihn in ihr Schlafzimmer. Ihr Kuss raubte ihm den Atem, und wie sie langsam Knopf für Knopf ihr langes, rotes Kleid öffnete, bis es seidenraschelnd an ihrem schlanken Körper herabglitt, noch einen Moment auf einem vorgestellten Knie verharrte und dann zu Boden fiel, raubte ihm den Verstand. Atemlos riss Christian sich Hemd, Hose und Unterwäsche vom Körper; blieb mit einem Fuß im Slip hängen, musste sich ihren Schubs gefallen lassen und landete schließlich mit fünfzig Kilogramm lachender Weiblichkeit in seinen Arm auf dem Bett.
   Sie ließ ihm keine Zeit zum Atemholen; ergoss sich in sein Universum mit ihrem nackten Körper, der nach Moschus und ein wenig Zitrone duftete und Augen, die so grün waren, wie er es niemals zuvor bei einer anderen Frau gesehen hatte. Winzig klein sah er in ihnen sein eigenes Spiegelbild und dann für eine lange Zeit gar nichts mehr.
   Eine Reise um die Sonne und viele Lustschreie später ließ sie den Kopf auf seine Brust sinken. Sie kuschelte sich an ihn, aus ihrem stoßweisen Atmen wurde ein Hauch, der ihm sanft über die Wange strich und dessen Duft von kandierten Mandeln das Bild des Weihnachtsmarktes in der Mecklenburgstraße in seinen Kopf zauberte. Malgorzatas Haar kitzelte seine Wange und er drehte den Kopf ein wenig zur Seite. Die ersten Sterne blinkten durch das große Schlafzimmerfenster herein und der Himmel hatte die Farbe von dunkelblauem Samt.
   „Schläfst du?“ Sie flüsterte.
   „Nein.“ Er flüsterte ebenfalls, obwohl es eigentlich keinen Grund dafür gab. Doch jedes laute Wort hätte die Atmosphäre zerstört, und das, was zwischen ihnen war. Es füllte fast greifbar das Schlafzimmer mit einem Nebel aus Gefühlen und Gerüchen, der Moschusduft ihrer Haut war darunter, ebenso wie die Gewissheit, dass Malgorzata nie mehr fortgehen würde.
   Er lächelte. Die Hormone waren in seinem Blut unterwegs und ließen ihn Dinge sehen und fühlen, nur weil er sie sich wünschte. Niemand kann in die Zukunft schauen, nicht einmal, wenn er wissen möchte, ob seine heutigen Wünsche morgen noch immer da sind.
   „Du lächelst. Das ist schön“, sagte sie.
   Er wandte seinen Kopf noch mehr zur Seite und genoss den Ausblick durch das bis zum Fußboden reichende Fenster auf den Ziegelsee unter ihnen. Das Wasser reflektierte den Lichterschein der nächtlichen Schweriner Innenstadt und malte lustige Kringel aus Licht und Schatten an die Wände des Schlafzimmers. „Du wohnst schön hier.“
   Er rollte sich wieder herum, stützte den Kopf auf und blickte sie voller Erstaunen über ihre Schönheit an. Der Schweiß ließ ihre Haut im Mondlicht glänzen, als wäre sie aus Silber und ihr rotes Haar ringelte sich in verführerischen Locken über die schmalen Schultern.