Sternenherz

   Unter seinem Blick räkelte sie sich lasziv und ein wenig provokant, wie es nur eine Frau kann, die sich ihre Schönheit bewusst ist. Dann richtete sie sich auf, öffnete im Sitzen ihren Strumpfhalter, streifte die Strümpfe von ihren Beinen und kuschelte sich wieder an ihn.
   „Du bist eine der wenigen Frauen, die ich kenne, die keine Strümpfe brauchen“, murmelte er.
   Sie lachte leise. „Dankeschön. Der Hormonerguss macht dich wohl mutig? Aber keine Frau der Welt braucht heute noch Strümpfe. Männer brauchen sie. Ich wollte dir eine Freude machen.“
   „Ich habe doch nie …“
   Ihre duftende Hand auf seinem Mund stoppte ihn. „Du redest nicht viel. Das macht es leicht, dir genau zuzuhören. In manchen deiner Ansichten bist du ein Dinosaurier. Aber ich mag das an dir. Und noch einiges mehr. Zum Beispiel, dass du nicht so viel fragst, obwohl du allen Grund dafür hättest.“ Ihr leises Lachen füllte das Schlafzimmer.
   Natürlich hatte er den, sogar jede Menge. Zum Beispiel, warum sie ihn nicht hatte das machen lassen, was ein Mann mit einer Frau in einer solchen Situation gewöhnlich tut, sondern selbst nicht nur das Heft des Handelns, sondern auch etwas Anderes in die Hand genommen hatte. Doch es gibt eine Zeit für Fragen, und dieser Moment war es ganz gewiss nicht.
   Langsam und mit Bedacht antwortete er: „Was ich über dich weiß, ist nicht viel. Das Meiste davon stammt von anderen und von dem, was ich in den letzten Stunden von dir gehört habe. In meinem Leben war immer viel Platz für Zweckdienlichkeit, für Logik und für exakt kalkulierte Pläne, doch nur wenig Zeit für Gefühle. Ich denke, dass es ein Fehler war. Ich will ihn mit dir nicht wiederholen.“
   „Fein gesagt. Wir werden sehen.“
   Sie richtete sich ein wenig auf und küsste ihn lange mit geöffneten Augen. Seltsamerweise fühlte er ihren Blick viel intensiver als ihren Kuss. Den Kuss spürte er auf seinen Lippen, ihren Blick jedoch tief unter der Haut, da, wo selbst er sich nicht hinzuschauen wagte.
   Ein Lichtschein huschte durch das Zimmer, vielleicht die Spiegelung eines Autoscheinwerfers auf der anderen Seite des Sees, und etwas zwischen ihren nackten Brüsten reflektierte das Licht.
   Sie sagte: „Das ist ein Sternenherz.“
   „Ich habe doch nichts gefragt.“ Das Testosteron tobte noch immer durch seine Adern und es machte seine Stimme rau.
   „Doch hast du. Ich kann dich hören, auch wenn du nichts sagst. Schon vergessen?“
   „Also gibt es doch die sprechende Stille?“
   Statt einer Antwort gab sie ihm wieder einen langen Kuss. „Zwischen uns? Vielleicht!“